Enigma: The Imitation Game & Kryptographie

Ich war neulich bei einem Vortrag im Mathematikum über Kryptographie. Prof. Beutelspacher erzählte erst ganz allgemein etwas über die Geschichte des Codierens und führte später noch das originalgetreue Enigma-Replikat des Mathematikums vor.

Die erste – beinahe enttäuschend simple – Form des Codierens ist die Cäsar-Methode. Dabei wird das Alphabet schlicht um eine bestimmte Anzahl von Stellen verschoben, wie man es beim Spielen als Kind auch schon konnte… nun ja, ich habe das auf jeden Fall mit meinem Bruder manchmal gemacht. Das könnte zum Beispiel so aussehen:

ABCDEFGHIJKLMNOPQRSTUVWXYZ
KLMNOPQRSTUVWXYZABCDEFGHIJ

Das Wort „Kryptographie“ hieße demnach „Ubizdyqbkzrso“. Das sieht zwar chaotisch aus, ist aber trotzdem enorm leicht zu knacken. Einerseits kann man sich einfach die Zeit nehmen, auszuprobieren, auf welche der 26 möglichen Arten das Alphabet verschoben worden ist (wobei man sogar nur 25 testen muss, bei der sechsundzwanzigsten läge A auf A und so weiter. Es wäre also direkt lesbar) oder nach häufigstem Buchstaben schauen. In der deutschen Sprache ist das das E. Findet man also heraus, welcher Buchstabe am häufigsten ist, weiß man, dass dieser den Buchstaben E codiert und hat die Nachricht im Grunde schon entschlüsselt.

Um das zu umgehen gab es später einige Verbesserungen dieser Methode. Es wird bei jedem einzelnen Buchstaben das Alphabet neu verschoben. Mit einem bestimmten Schlüsselwort, das zeigt, an welcher Stelle das Alphabet wie verschoben werden muss, ist es für den Empfänger noch recht einfach. Unknackbar wird ein Code erst, wenn der Schlüssel völlig zufällig gewählt wird und so jede Regelmäßigkeit verschwindet.

Die wohl bekannteste Maschine, um etwas zu codieren, ist Enigma.

Screenshot_2016-01-26-22-23-56-1
Foto: Privat

Ich habe ein Foto von diesem originalgetreuen Nachbau machen können. Er hat drei Walzen, die sich bei jedem Bedienen der Taste verschieben. Es entsteht ein Kontakt sodass ein Lämpchen aufleuchtet, das den codierten Buchstaben anzeigt. Beim nächsten Drücken der Taste verschiebt sich die Walze jedoch wieder. Ein Buchstabe wird also jedes Mal unterschiedlich codiert. Das Bedienen war sehr leicht (schließlich war Enigma auch für Soldaten und nicht für Kryptographen). Damit Enigma jedoch so funktionieren kann ist höchste Ingenieurskunst notwendig. Jeder Kontakt etc. muss perfekt sein, ist einer kaputt geht die komplette Enigma nicht mehr. Ich verstehe leider nicht besonders viel von Technik (jaja, Klischee pur) und musste auch Physik abwählen, aber allein die Präzision, mit der jede dieser Maschinen verarbeitet sein musste, ist beeindruckend.

Danach gab es noch einiges zu moderner Kryptographie, bei der nur der Empfänger den Schlüssel besitzt. Es wurde sehr, seeehr mathematisch. Eigentlich liebe ich die Mathematik und das Rätseln und bin auch nicht schlecht darin, doch ich muss gestehen, bei Euler hörte es für mich auf.

 

Was hat das alles mit „The Imitation Game“ zu tun? Quasi alles. Wer den Film kennt weiß, dass es um Alan Turing geht, der die Enigma geknackt hat. Als bekennender Benedict Cumberbatch Fan musste ich den Film natürlich sehen… das erste Mal im Kino zumindest. Die anderen Male auf DVD einfach nur weil der Film toll ist. Ich mag Filme über Menschen, Lebensgeschichten. Mit glücklichen Momenten, aber auch Tiefpunkten und Verzweiflung. Schwierige Charaktere machen das ganze interessant. Und dieser Film konnte mir all das bieten. Alan Turing ist ein trauriger, einsamer Charakter, ein homosexueller Mann in einem England, in dem Homosexualität illegal ist, ein Mensch, dessen Sprache die Mathematik ist.  Doch wirklich bemitleidenswert wurde er kaum. Seine arrogante Genialität machte ihn eher bewundernswert, auch wenn unter dieser Arroganz immer eine Spur Verletzlichkeit lag. Benedict Cumberbatch konnte diese Konflikte im Charakter Turings wundervoll auf die Leinwand bringen. Damit hätte man dann schonmal den wichtigsten Teil der Geschichte – den Charakter (Nach diesem Beitrag hier: https://wordpress.com/read/post/feed/1690746/917682139 musste ich mir selbst auch einmal Gedanken machen, was mir bei einem Buch – oder einer Geschichte allgemein wichtiger ist: Geschichte oder Charakter… Mein Ergebnis: Spontan Charakter, zwischendurch Unsicherheit, letztendlich Charakter).
Nun, um nicht völlig vom Thema abzukommen – die Geschichte des Films… er ist definitiv spannend, bietet einem (trotz historischer „Freiheiten“) einen guten Einblick in das Lebensgefühl dieser Zeit und macht jedem, der Spaß am Rätseln hat besonders viel Freude.

Durch Turings Einsamkeit und sein Talent erinnerte der Film mich ein wenig an „A beautiful mind“. Dabei wirkt es keinesfalls nachgemacht, sondern vermittelt einfach nur auf eine ähnliche Art die Genialität des Protagonisten.

Bei mir persönlich hat der Film viel ausgelöst… er hat mein Interesse an Kryptographie wiedererweckt. Als Kind habe ich diese einfachen Codiermethoden immer wie ein Spiel behandelt. Das Rätseln, die Herausforderung, was gab es schöneres? Dieses Gefühl hat mir „The Imitation Game“ zurückgebracht.


 

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