Die augenlos Lauschende

Starry_Night_Over_the_Rhone_Van_Gogh
Vincent van Gogh: Sternennacht über der Rhône

„Und wenn die Nacht fällt, fällst du in ihre Arme.
Sachte, meine Liebe, sachte.
Schlaf, meine Liebe. Schlaf fest.“
(Lena Noske: Ode an die Nacht)

Doch ich schlafe nicht.
Ich liege und ich denke und ich denke und ich liege,
denkend
und ich frage alle Fragen
und ich suche, ich suche.

Ich suche im Tag
und tausend Augen starren mich an,
ohne mich zu sehen.
Und wenn ich frage,
dann brüllen sie mir tausend neue Fragen zurück.
Ich halte mir die Augen zu, um nicht zu hören.
Ich halte mir die Ohren zu, um nicht zu sehen.
Um nicht das hämische Lachen zu hören,
Um nicht das Grauen in dem harschen Licht zu sehen.

Ich suche in der Nacht,
die augenlos Lauschende.
Sie schlingt ihre schwarzen Arme um mich und schweigt
und wenn ich sie anbrülle, schweigt sie zurück.
Ein ohrenbetäubendes Schweigen, das mir den Atem nimmt,
in einem allesverschlingenden Schwarz, das mich erdrückt.
Und in ihr Schweigen brülle ich hinein:
„Rede nicht, als wäre es ein Leben voller Nichts,
als wäre es eine Welt voller Nichts!“
Und sie antwortet mit ihrem wisperndem Rauschen, das nach Regen riecht:
„Das süße, kleine Nichts…“

Und sie fällt
und ich falle in ihre Arme.
Ich sehe weder Licht, noch Augen.
Ich höre weder Stimmen, noch Rauschen.
Und wenn ich sie frage, gefangen in ihren Armen,
dann sagt sie „Nichts“
Nur ein süßes, kleines Nichts.

 

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